
Selbstfürsorge für Lehrkräfte: 6 kleine Entscheidungen, die deinen Schulalltag spürbar entlasten
Vielleicht kennst du diesen Moment: Auf dem Tisch liegen noch Korrekturen. Die Schultasche steht halb ausgepackt im Flur. Im Kopf läuft die Liste für morgen. Vielleicht braucht zu Hause gerade jemand etwas von dir. Und dann liest du einen Selbstfürsorge-Tipp: „Nimm dir mehr Zeit für dich.“ Du denkst nicht „Oh ja, gute Idee.“ Du denkst: „Wann denn bitte das auch noch?“
Der Satz klingt freundlich. In deinem Alltag fühlt er sich eher an wie ein weiterer Punkt auf der Liste.
Genau hier wird Selbstfürsorge für Lehrkräfte oft falsch verstanden. Sie scheitert selten am Wissen. Die meisten Lehrkräfte wissen, dass Pausen guttun, Schlaf hilfreich ist und Dauerstress auf Dauer teuer wird. Das Problem sind die Bilder im Kopf: Schaumbad, Yogamatte, perfekte Morgenroutine, 60 Minuten Me-Time bei Kerzenschein.
In diesem Artikel geht es nicht um perfekte Selbstfürsorge. Es geht um 6 kleine Entscheidungen, die du im Schulalltag wirklich treffen kannst: bei Mails, Pausen, Gesprächen, Korrekturen, Übergängen und Fortbildung.
Warum Selbstfürsorge für Lehrkräfte oft falsch verstanden wird
Selbstfürsorge für Lehrkräfte wird oft größer gemacht, als sie im Schulalltag sein muss.
Das erste Missverständnis lautet: Selbstfürsorge muss groß sein.
Viele denken an freie Nachmittage, Wellness, lange Routinen oder einen Feierabend, der so ruhig ist wie ein Werbefoto für Kräutertee. Schön, wenn es das gibt. Nur passt dieses Bild an vielen Schultagen ungefähr so gut wie ein Strandkorb ins Lehrerzimmer.
Das zweite Missverständnis lautet: Selbstfürsorge ist egoistisch.
Viele Lehrkräfte stellen eigene Bedürfnisse weit nach hinten. Erst die Klasse, dann die Eltern, dann das Kollegium, dann die Organisation, dann noch schnell die Mail und irgendwo ganz hinten stehen sie selbst. Genau dort wird es auf Dauer eng.
Das dritte Missverständnis lautet: Selbstfürsorge muss zusätzlich passieren.
Noch ein Ritual, noch ein Termin oder noch eine Aufgabe. Genau das macht Druck, weil der Tag ohnehin schon voll ist.
Selbstfürsorge für Lehrkräfte ist keine Belohnung nach einem perfekten Tag. Sie ist eine Art, im Tag anders mit der eigenen Energie umzugehen. Das kann heißen:
- eine Nachricht erst morgen beantworten
- eine Pause nicht für den Kopierer opfern
- ein Gespräch freundlich beenden, bevor es zwischen Tür und Angel ausufert
- eine Korrektur nach 45 Minuten stoppen, statt bis 23:17 Uhr jedes Komma innerlich zu verhandeln
Selbstfürsorge heißt im Schulalltag oft nicht: Ich mache mehr für mich. Sie heißt: Ich lasse an einer Stelle weniger gegen mich laufen.
Entscheidung 1: Nicht jede Nachricht sofort beantworten
Mails und Nachrichten wirken oft klein. Nur kurz reinschauen. Nur schnell antworten. Nur eben klären, ob morgen Material gebraucht wird. Genau dieses „nur kurz“ kostet im Schulalltag viel Aufmerksamkeit. Du bist vielleicht gerade bei einer Korrektur, in der Pause oder auf dem Weg zur nächsten Stunde. Dann ploppt eine Nachricht auf, und dein Kopf springt sofort in den nächsten Modus. So entsteht schnell das Gefühl: Ich muss ständig erreichbar sein.
Selbstfürsorge für Lehrkräfte beginnt deshalb manchmal mit einer simplen Entscheidung: Nicht jede neue Nachricht bekommt sofort deine Energie. Ein erster Schritt: Lege 2 feste Mailfenster fest. Zum Beispiel:
- einmal nach der Schule
- einmal am frühen Abend oder am nächsten Morgen
Eine klare Formulierung kann so klingen: „Danke für Ihre Nachricht. Ich melde mich morgen im Laufe des Vormittags dazu.“ Das ist freundlich und es setzt einen Rahmen.
Prüfe heute: Welche Nachricht muss wirklich heute beantwortet werden und welche darf bis morgen warten?
Nicht jede Nachricht ist gleich dringend. Neu heißt nicht automatisch sofort.
Entscheidung 2: Pausen nicht als Reservezeit behandeln
Viele Lehrkräfte haben Pausen im Stundenplan. Nur: Der Körper bekommt davon oft wenig mit. In der 5-Minuten-Pause wird schnell kopiert. In der großen Pause wird eine Mail beantwortet. Zwischen 2 Stunden wird Material gesucht, ein Gespräch geführt oder noch kurz etwas mit der Kollegin geklärt.
Formal war da eine Pause. Innerlich war da keine Unterbrechung. Genau deshalb gehört eine echte Pause zur Selbstfürsorge für Lehrkräfte. Nicht als großes Erholungsprogramm. Eher als kleiner Stopp, bevor dein Tag dich komplett schluckt.
Starte mit 5 Minuten. Wähle Uhrzeit, Ort und Dauer. Zum Beispiel: 11:15 Uhr · draußen oder im Lehrerzimmer · 5 Minuten ohne Gespräch
Eine Mini-Pause kann so aussehen:
- hinsetzen
- Handy weglegen
- Schultern senken
- 6 ruhige Atemzüge nehmen
- 1 Schluck trinken
Ein Satz für dich: „Diese 5 Minuten sind kein Luxus. Sie sind meine Unterbrechung.“
Trage diese Woche 1 Pause so ein, als wäre sie ein Termin mit einer anderen Person.
Entscheidung 3: Gespräche begrenzen
Viele Gespräche im Schulalltag starten ungeplant. Eine Schülerin steht nach der Stunde vor dir. Ein Elternteil erwischt dich kurz am Telefon. Eine Kollegin spricht dich im Flur an. Du hast eigentlich nur 3 Minuten, aber das Thema ist groß.
Gerade emotionale Gespräche sprengen schnell den Rahmen. Aus „nur kurz“ werden 12 Minuten. Danach kommst du gehetzt in die nächste Stunde, dein Kopf hängt noch im Gespräch und dein Körper ist schon wieder im nächsten Modus.
Selbstfürsorge für Lehrkräfte heißt hier: Du musst nicht jedes Gespräch sofort und vollständig führen. Ein guter erster Schritt ist ein klarer Einstieg: „Ich habe gerade 5 Minuten. Für alles Weitere brauchen wir einen festen Termin.“ Oder: „Das Thema ist wichtig. Ich möchte es nicht zwischen Tür und Angel besprechen.“ Für ein klares Ende passt dieser Satz: „Ich nehme den Punkt mit und melde mich morgen dazu.“
Ein begrenztes Gespräch ist nicht weniger wertschätzend. Es schützt die Qualität des Gesprächs. Denn ein ruhiges Gespräch mit 15 Minuten Zeit ist oft hilfreicher als ein hektischer Flur-Moment mit halb gepackter Tasche und einem Bein in der nächsten Stunde.
Überlege für diese Woche: Welches Gespräch braucht keinen spontanen Flur-Moment, sondern einen sauberen Rahmen?

Entscheidung 4: Korrekturen in realistische Blöcke teilen
Korrekturen haben eine besondere Eigenschaft: Sie wirken im Kopf oft größer, als sie auf dem Tisch sind. Da liegt dann nicht einfach ein Stapel mit 24 Arbeiten. Da liegt gefühlt ein ganzes Wochenende, ein freier Abend oder die leise Angst: „Wenn ich jetzt anfange, komme ich da nie wieder raus.“
Ein guter Umgang mit Korrekturen gehört deshalb mitten hinein in Selbstfürsorge für Lehrkräfte. Korrekturen sollen nicht plötzlich Spaß machen, aber sie können weniger Kraft fressen, wenn du sie kleiner schneidest. Drei Varianten können helfen:
1. Starte mit einem 45-Minuten-Block.
Nicht der ganze Stapel. Nur 45 Minuten Anfang. „Ich höre nach 45 Minuten auf, auch wenn noch etwas übrig ist.“
2. Korrigiere 5 Arbeiten am Stück.
Danach machst du eine kurze Pause oder entscheidest neu. „Ich korrigiere heute 5 Arbeiten, nicht den ganzen Stapel.“
3. Lege vorher eine Korrekturregel fest.
Zum Beispiel: Worauf achte ich besonders? Wo reicht ein Haken? Wo braucht es einen kurzen Kommentar?
„Ich entscheide vorher, worauf ich besonders achte.“
Perfektion bei jeder Randbemerkung kostet viel Kraft. Schüler:innen brauchen klare Rückmeldung, keine erschöpfte Feinarbeit bis Mitternacht.
Welche Korrektur darf diese Woche in einen kleineren Block statt in einen Großkampf verwandelt werden?
Entscheidung 5: Kleine Übergangsrituale nutzen
Lehrkräfte wechseln an einem Schultag oft im Minutentakt die Rolle. Gerade warst du im Unterricht. Dann kommt Pausenaufsicht. Danach ein kurzes Gespräch mit einer Schülerin. Später Korrekturen, Mails, Organisation, Familie, Haushalt oder eigene Erholung. Dein Körper ist irgendwann zu Hause. Dein Kopf sitzt aber oft noch in Stunde 5.
Genau deshalb gehören kleine Übergangsrituale zur Selbstfürsorge für Lehrkräfte. Sie müssen nicht groß sein. 2 bis 5 Minuten reichen als Signal an dein System: Dieser Abschnitt ist vorbei. Ich muss nicht sofort in die nächste Rolle springen. Drei kleine Rituale passen gut in volle Schultage:
- Nach Schulschluss: Tasche abstellen, 3 ruhige Atemzüge nehmen und innerlich sagen: „Schule ist für heute genug.“
- Vor dem Heimweg: 1 Notiz schreiben: Was muss morgen wirklich wieder auf den Tisch?
- Zu Hause: 5 Minuten ankommen, bevor neue Aufgaben starten. Kein Handy. Kein direktes Weiterarbeiten. Nur Jacke aus, trinken, kurz landen.
Ein Übergangsritual trennt dein Leben nicht perfekt in Schule und privat. Es gibt deinem Kopf nur ein klares Zeichen: Ich bin jetzt nicht mehr in der letzten Stunde. Ich bin hier.
Entscheidung 6: Fortbildung als Schutzraum statt Zusatzaufgabe sehen
Viele Lehrkräfte denken bei Fortbildung sofort an noch mehr Material: neue Methoden, neue Konzepte, neue Aufgaben oder neue Erwartungen. Am Ende liegt wieder ein Stapel Papier auf dem Schreibtisch, der nach dem Workshop noch in den Alltag übersetzt werden soll. So fühlt sich Fortbildung schnell wie ein weiterer Punkt auf der Liste an.
Hier lohnt sich ein anderer Blick auf Selbstfürsorge für Lehrkräfte: Eine gute Fortbildung darf dich entlasten. Sie darf ein Raum sein, in dem du ehrlich hinschaust:
- Was kostet mich im Schulalltag gerade Kraft?
- Wo brauche ich klarere Grenzen?
- Welche Gespräche hängen mir zu lange nach?
- Wie bleibe ich mit Schüler:innen zugewandt, ohne mich selbst zu verlieren?
- Welche kleinen Werkzeuge passen wirklich in meinen Unterricht?
Eine gute Fortbildung muss kein Methodenfeuerwerk liefern. Sie darf eine neue Sprache geben: für Stress, für Überforderung, für Grenzen, für mentale Gesundheit, für Beziehungsgestaltung oder für Lernfrust und Motivation.
Themen wie Stressmanagement und Selbstfürsorge im Lehrerberuf, mentale Gesundheit im Schulalltag, wertschätzende Kommunikation, Grenzen setzen, Beziehungsgestaltung oder Lerncoaching berühren genau die Stellen, an denen Lehrkräfte im Alltag viel tragen.
Eine Frage für dich: Welches Thema würde dir im nächsten Schuljahr wirklich Luft geben?
Wenn Fortbildung so gedacht wird, ist sie keine weitere Aufgabe auf deiner Liste. Sie wird zu einem gemeinsamen Stopp-Moment für dich, dein Team oder dein Kollegium.
Dein nächster kleiner Schritt
Selbstfürsorge für Lehrkräfte beginnt oft mit einer kleinen Frage: Wo verliere ich gerade am meisten Kraft? Genau dafür habe ich den Check „Sommerpause beginnt im Kopf – 5-Minuten-Check für Lehrkräfte zum Schuljahresende“ erstellt. Der Check hilft dir, deinen inneren Akku ehrlich einzuschätzen, deinen größten Energiefresser zu erkennen und 1 kleinen Entlastungsschritt für diese Woche festzulegen.

Du brauchst dafür keine ruhige Stunde, kein schönes Notizbuch und keinen perfekten Plan. 5 Minuten reichen. Du findest im Check kurze Reflexionsfragen, klare Satzimpulse und einen Mini-Plan für deine letzten Schulwochen.
Wenn du danach tiefer einsteigen willst, findest du auf meiner Webseite 3 passende Online-Angebote:
- Beziehung wirksam gestalten – für mehr Klarheit bei Rolle, Nähe, Distanz und Grenzen.
- Stark im Schulalltag – für mentale Gesundheit von Schüler:innen und kleine Impulse im Unterricht.
- Lernprozesse wirksam begleiten – für Lernfrust, Motivation, Prüfungsstress und Lernstrategien.
Diese Angebote passen, wenn du dein Thema nicht nur kurz sortieren, sondern mit mehr Ruhe und Struktur bearbeiten willst.
Fazit: Selbstfürsorge darf klein anfangen
Selbstfürsorge für Lehrkräfte beginnt selten mit einem freien Tag, einem leeren Kalender oder perfekter Ruhe. Oft beginnt sie viel kleiner.
- Mit einer Nachricht, die bis morgen warten darf.
- Mit 5 Minuten Pause, bevor der nächste Punkt ruft.
- Mit einem Gespräch, das einen klaren Rahmen bekommt.
- Mit einer Korrektur, die nach 45 Minuten enden darf.
- Mit einem Übergangsritual, das deinem Kopf ein Zeichen gibt.
- Mit einer Fortbildung, die dich entlastet.
Du musst nicht erst am Limit sein, um auf dich zu achten. Du musst Selbstfürsorge nicht perfekt machen. Und du musst nicht dein ganzes Leben umbauen, um besser mit deiner Kraft umzugehen. Manchmal reicht 1 kleine Entscheidung, die heute weniger Energie frisst.
Wähle für diese Woche genau 1 Punkt aus diesem Artikel. Nicht 7. Nicht alle auf einmal. Nur 1. Das ist kein Egoismus. Das ist ein realistischer Umgang mit deinem Schulalltag.

Hallo, ich bin Antje Klees!
Expertin für Stressmanagement, mentale Gesundheit, Achtsamkeit, Kommunikation sowie erfolgreichen Lernen, Prüfungsvorbereitung und Prüfungsangst.
Meine Mission:
Ich unterstütze Lehrkräfte, Schulleitungen und Schüler:innen dabei, Stress im Schulalltag nachhaltig zu bewältigen, ihre mentale Gesundheit zu stärken und mit mehr Leichtigkeit und Klarheit zu lernen, zu lehren und zu leben. Dabei setze ich auf praxisnahe, alltagstaugliche Methoden, die direkt spürbare Entlastung bringen und langfristig wirksam sind.
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